Alle Artikel von Friedrich Böhme

Aus glatt mach matt oder aus matt mach glatt?

Falls ihr gerade überlegt, etwas zu lackieren und am besten noch durchsichtig, dann lautet mein Rat an euch: „Nehmt euch richtig viel Zeit!“

Ich beschäftige mich momentan mit Oberflächenbearbeitung und -gestaltung und bekomme so einen kleinen Einblick in die Welt der Lacke, Füller, Beizen und anderer Chemikalien, welche am Schluss oder auch zwischendurch auf die einzelnen Bauteile aufgetragen werden.

Nach einer mäßig erfüllenden Woche in den (be-)rauschenden Lackierkabinen unserer Firma, wo ich nur Handlangerarbeiten verrichten durfte, habe ich nun den Bereich erreicht, in dem alles dafür getan wird, dass die Lackierung bestmöglich vor- und nachbereitet wird. (Be-)rauschend? In der Tat rauscht es den ganzen Tag in der Kabine, denn um den feinen Nebel des versprühten Lackes aufzufangen und zu verhindern, dass er sich an den Wänden festsetzt, rauschen Tausende Liter Wasser pro Tag durch die Kabine. Es fließt erst über die Wand, dann unter einem Fußbodengitter hindurch und schließlich in eine Maschine, welche die eingesammelten Lacke abscheidet.

Nun aber zu meinen derzeitig täglichen Aufgaben: Wir schleifen, spachteln, wachsen und wischen alles weg, was nicht auf die Oberfläche gehört. Am Anfang ist es Dreck, welcher mit Reinigern entfernt wird. Später werden es kleine Fasern sein, welche sich noch ein letztes Mal aufbäumen wollen, undgrobe  Poren-Strukturen, die man so lange schleift, bis sich ein erregendes Gefühl der vollkommenen Ebenheit einstellt. Alles in allem eine schon beinah sinnliche Tätigkeit, die viel Erfahrung, gute Augen und ein ungeheures Maß an Einfallsreichtum und Geduld erfordert.

Aber nun genug theoretisiert, jetzt gibt’s erste Impressionen:

Vor unserer Firma steht eine große Wand mit Makassar-Furnier und dem leuchtenden Firmenlogo. Alle paar Jahre wird diese mal wieder fresh gemacht.

Mach glatt aus matt oder matt aus glatt?

Wie schleift man nun diesen labbrigen Lampenschirm?

Das erste Lehrjahr ist durch!

Es ist so weit, endlich kein Ersti mehr! Am 31. August startete ich mit vielen anderen Auszubildenden in Sachsen in das zweite Lehrjahr. Rückblickend ging alles total schnell und die Vorstellung, dass nun ein Drittel der Ausbildungszeit hinter mir liegt, ist mega komisch 😀

Wenn ich nun durch meine Bilder des letzten Jahres schaue und sehe, wie meine persönliche Entwicklung in Bezug aufs Tischlerhandwerk vorangegangen ist, dann habe ich ein gutes Gefühl, dass ich nach den drei Jahren so ausgebildet bin, dass man mich mit gutem Gewissen auf die Holzbestände dieser Welt loslassen kann.

Der Hocker.
Eines der ersten Werkstücke meiner Ausbildung. Alles in Handarbeit gefertigt, mit groben Verbindungen.

Drei Stifte-Kistchen.
Mit winzigen, zarten Verbindungen und einigen maschinellen Bearbeitungen. Eine meiner letzteren Arbeiten im 1. Lehrjahr.

Auch wenn man als Laie den Unterschied zuerst nicht direkt sieht, kann ich euch sagen, dass zwischen diesen zwei Arbeiten viel Blut, Schweiß und Tränen geflossen sind. Aber es hat sich gelohnt! Und jetzt schaue ich gespannt und mit Vorfreude auf das kommende zweite Ausbildungsjahr.

Der zweite Maschinenlehrgang

Anfang des Jahres habe ich euch bereits vom ersten Tischler/Schreiner-Maschinenlehrgang berichtet. Damals waren alle großen und kleinen Maschinen neu, interessant und auch zum Teil etwas furchteinflößend. Diesmal waren alle schon etwas bekannter, und es stellte sich allmählich ein Gefühl der Sicherheit ein.

Im zweiten Maschinenlehrgang, welcher obligatorisch in der Ausbildung zum Tischler ist, wird die Bedienung der Maschinen, die man während des ersten Lehrgangs kennengelernt hat, noch mal vertieft. Es wurden diesmal mehrere kleinere Werkstücke hergestellt, welche veranschaulichten, wozu diese Maschinen exemplarisch genutzt werden können. Unter anderem stellten wir massive Kleiderbügel, ergonomische Holzgriffe und Schiebestöcke zur sicheren Werkstückführung her. Neu dazu kamen die Breitflächenschleifmaschine, die Bürstmaschine, die Funierpresse und die Tischfräse.

An Letzterer haben wir die meiste Zeit verbracht und ihre Vorzüge und Gefahren kennengelernt. Die viele Zeit, die wir investierten, ist meiner Meinung nach auch äußerst sinnvoll, denn an keiner Maschine in der Tischlerei passieren so viele Unfälle wie an der Tischfräse. Doch wer einmal gemerkt hat, was dieses geniale Gerät alles möglich macht, der nimmt die Risiken gern in Kauf – denn solange man sich an die Sicherheitsvorschriften der Berufsgenossenschaft hält, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.

Ich hoffe, ich werde euch in den nächsten zwei Jahren viele Beispiele zeigen können, wie diese Maschine wunderbar zum Einsatz kommt.

Auch diesem kleinen Gesellen gefiel die Arbeit der Fräse.

Zum ersten Mal Eiche

Das Möbel, das ich in der letzten Woche gebaut habe, ist eigentlich viel zu schade für den alltäglichen Zweck, der ihm zugedacht ist. Aber bestimmt wird dies nicht das letzte Werkstück sein, bei dem ich so denke.

Diese schöne Fußbank ist mein erstes Werkstück, das ich aus Eiche gefertigt habe – ein tolles Holz! Die Härte und Steifheit der Fasern ermöglichten mir zwar einerseits eine wunderbare Bearbeitung, andererseits  war dafür aber im Vergleich zum Kiefernholz, welches ich normalerweise zum Üben nehmen, ein größerer Kraftaufwand nötig.

Nach insgesamt fünf Wochen Pause (vier Wochen Homeschooling plus eine Woche,  in der ich aufgrund eines Fahrradunfalls nicht arbeiten gehen konnte) fiel es mir doch etwas schwer, konzentriert auf meine Fähigkeiten zurückzugreifen, sodass mir einige Fehler unterliefen und ich am Ende mit meiner Leistung nicht richtig zufrieden war. Aber ich bin nach wie vor motiviert und freue mich, euch schon bald vom zweiten Maschinenlehrgang, dem TSM 2, zu berichten.

Bleibt gesund!

Mit etwas Wachs konnte ich meine konzentrationsbedingten Schnitzer gut kaschieren.

Doch bei diesem Pfusch hier lässt sich leider nichts mehr retuschieren.

Manchmal muss es wehtun!

Jeder Mensch sollte es als seine Pflicht ansehen, so wenig  Abfall und Ausschuss wie möglich zu verursachen. Ein großer Faktor in der Klimakrise ist der aktuell vorherrschende „Wegwerfkonsum“ der Weltbevölkerung.

Bei unserer Fertigung macht auch die Oberflächenbehandlung einen großen Teil der Arbeit aus. Diverse Lacke, Farben, Beizen etc. werden dafür von geübter Hand aufgebracht, geschliffen und poliert. Da jedes Schiff, welches wir ausbauen, ein bestimmtes einzigartiges Design erhält, passiert es nur sehr selten, dass die vorhandenen Chemikalien für mehrere Projekte verwendet werden können. Um trotzdem für eventuelle Nachbesserungen, Reparaturen oder Garantiefälle vorbereitet zu sein, werden die Reste im sogenannten „Lack-Container“ aufbewahrt. Wenn eine Firma  immer größer wird, muss folglich auch ihr Lack-Container wachsen. Perfektes Timing, wenn da gerade ein kräftiger Lehrling in der Oberfläche aushilft, und beim Umräumen und Aussortieren vom alten in den neuen Container mit anpacken kann. Schmerzhaft wiederum für ihn, wenn er dabei eimerweise die exotischsten, aber leider bereits abgelaufenen Mischungen in den Müll gießen muss. Doch „Watt mutt, datt mutt!“

Mit der Zeit härten die Lacke aus, sodass ein Abtransport möglich ist.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Ran an die Maschinen!

Vor ein paar Wochen hieß es für mich und die anderen Lehrlinge endlich: „Ran an die Maschinen!“ Der Tischler-/Schreiner Maschinen-Lehrgang stand an.

Seit dem Beginn meiner Ausbildung habe ich fast ausschließlich nur mit Handwerkzeugen gearbeitet und viel über sie und die Techniken gelernt. Nun war es jedoch an der Zeit, in die Welt der großen Maschinen einzutauchen und zu erfahren, was eigentlich alles so möglich ist, wenn Anschlag und Winkelkante zu 99,9% genau sind. Da sämtliche Maschinen aber auch eine Gefahr für Leib und Leben darstellen, lag das Hauptaugenmerk des Lehrgangs auf der sachgemäßen Anwendung unter Berücksichtigung aller Arbeitsschutzkriterien. Ich kann euch sagen, dass ich trotz der streckenweise zähen Belehrungen heilfroh bin, darüber informiert worden zu sein. Denn wenn man die ersten Male seine Finger unmittelbar neben oder über Messern langschiebt, welche 16 000 mal pro Minute durch die Luft pfeifen, wünscht man sich schon vorher eine Windel angezogen zu haben!

Als eine Art Zertifikat, welches belegt, dass wir an allen vorgeschriebenen Maschinen gearbeitet haben, wurde von uns während des Lehrgangs ein Schlüsselkasten hergestellt, welcher in seiner extravaganten Schönheit nicht zu übertreffen ist! *hust*

Vielleicht erkennt der eine oder andere die Silhouette eines bestimmten Sterns, welche die Form der Front darstellt?

Hallihallo!

Seid gegrüßt, werte Tischler-innen und Interessierte!

Ich bin Friedo und werde in Zukunft für euch von meiner Ausbildung zum Tischler bei den Deutschen Werkstätten Hellerau berichten. Ich bin selbst sehr gespannt auf diese beiden neuen Tätigkeiten und bin sicher, dass ich euch mit meinen Erzählungen einen spannenden Einblick verschaffen kann!

Zum Schluss noch eine meiner ersten Zinkenverbindungen, als visuellen Vorgeschmack 😉

Friedo mit Raubank

P. S. Ein kleines Interview und weitere Infos zu mir findet ihr auf meinem Profil.