Alle Artikel von Loreen Schildger

Die klassische Schubkastenführung

Jetzt ist das erste Lehrjahr fast geschafft. Zum Schluss haben wir uns in der Schule mit der klassischen Schubkastenführung beschäftigt, die wir in 2 Jahren auch bei unserem Gesellenstück anwenden müssen.

Die klassische Schubkastenführung im Schnitt.

Die Streif-, Lauf-, Kippleiste sind für die Führung des Schubkastens zuständig. Natürlich gibt es heute auch andere Führungen, wie z.B. mechanische Schubkastenführungen, doch im Gesellenstück wird immer noch die klassische Variante gefordert. Deshalb haben wir das auch nach der oben gezeigten Zeichnung gebaut 🙂

Hier habe ich die Leisten schon am Corpus angebracht.

Wichtig: Die Schrauben müssen gesenkt und nicht bündig eingedreht werden, wie man es sonst von den Werkstücken kennt, sondern ein bisschen tiefer sitzen, da der Schubkasten sonst nicht sauber auf den Leisten läuft bzw. geschoben werden kann.

Der Schubkasten läuft und sitzt sauber auf den Leisten auf.

 

Prüfung geschafft und die Belohnung kommt

Heute kann ich euch endlich mal wieder was von mir berichten. Unsere Prüfungen vom 1. Lehrjahr sind vorbei und sind bei mir echt super verlaufen. Leider darf ich euch keine Bilder von unserem Prüfungsstück zeigen.

Wenn ihr das Wort PRÜFUNG hört, dann gibt es bei euch schon eine Blockade oder ihr bekommt Angst? Macht euch nicht verrückt! Die Prüfung im 1. Lehrjahr schafft wirklich jeder, der im Unterricht ein bisschen dabei war. Einfach konzentrieren, bei dir selbst und dem Werkstück bleiben und los geht’s. Dann sind die 12 Stunden Arbeitszeit schneller vorbei als man denkt. Kann man auch durchfallen? Ja, kann man, aber es ist fast nicht zu schaffen … bei uns haben alle 25 Schüler erfolgreich bestanden! 🙂

Zu fertigen hatten wir einen Stummen Diener mit Zinken und auch mit Acrylglasbearbeitung. Also geschwitzt haben wir in diesen 12 Stunden wirklich alle, denn die Zeit war sehr knapp, dennoch bin ich mit mir echt zufrieden. Am zweiten Tag konnte ich richtig Gas geben, da meine Zinkung verleimt war und bin letztendlich mit meinem Werkstück auch fertig geworden.
Das 1. Lehrjahr ist somit so gut wie geschafft und das 2. Lehrjahr kann kommen!

Jetzt aber weg von der Prüfung und noch einmal zu meinem Beistelltisch.
Als „Belohnung“ durften wir dann auch schon ein Tag nach der Prüfung an unserem Beistelltisch weiter machen und ihn fertigstellen. Jeder war gespannt, wie sein Furnierbild nach dem Lackieren aussieht, denn da kommen die Farben des Holzes erst richtig zur Geltung.
Hier habe ich mal ein paar Beispiele fotografiert, was man alles aus Furnier machen kann. Die Tischplatten bzw. Beistelltische sind hier schon fertig lackiert und bereit zum mit nach Hause nehmen. 🙂

Unsere selbstgestalteten Tischplatten.

Wie ihr seht, hatten wir alle sehr unterschiedliche Ideen und auch unterschiedliche Holzarten. Jeder Beistelltisch ist auf seine eigene Art und Weise schön geworden.

Auch das 1. Lehrjahr muss bestanden werden

Das erste Lehrjahr neigt sich dem Ende. Da wir im ersten Lehrjahr komplett in der Schule sind, müssen wir auch hier eine Prüfung ablegen. Diese  Prüfung steht bei uns Anfang Juli an.

Die Prüfung besteht überwiegend aus praktischen Aufgaben. Um genau zu sein aus:

  • einem kleinen schriftlichen Teil (ein paar Fragen beantworten)
  • einer Arbeitsablaufplanung
  • einer Fertigung eines Werkstücks
  • einer Maschinen-Prüfung (TSM1)
  • einem Fachgespräch

Insgesamt haben wir für unsere Prüfung, d.h. für alle aufgezählten Punkte außer dem Fachgespräch, nur 12 Stunden Zeit (auf zwei Tage verteilt). Da muss man echt schauen, dass wir nicht zu langsam arbeiten, sonst wird die Zeit wirklich knapp.
Wir bekommen also von unseren Lehrern bzw. vom  Land Baden-Württemberg eine Zeichnung vorgelegt und müssen dieses Werkstück dann herstellen. Davor müssen wir jedoch eine Arbeitsablaufplanung erstellen, dass man sieht, ob wir uns gut organisieren können. Um im folgenden Lehrjahr einen Teil an den Maschinen fertigen zu dürfen, machen wir in diesen 12 Stunden auch unsere Maschinen Prüfung. Bei der müssen wir alles über deren Einstellung bis hin zu den spezifischen Gefahren wissen. Nach den 12 Stunden findet noch ein Fachgespräch mit unserem Lehrer statt, in dem wir uns auf fachlicher Ebene über das gefertigte Werkstück unterhalten.

Ich bin mal gespannt, was wir fertigen dürfen!

Kleinen Hilfsmittel mit großer Wirkung

Ich berichte euch heute über unser neustes Projekt. Hierbei dürfen wir von der Planung bis zur Durchführung alles selbst in die Hand nehmen. Unser Auftrag ist es, ein Flur-Organizer mit verschiedenen Vorgaben zu fertigen.

Die Vorgaben sind:
– Maße des Wandboards:  1000 mm x 600 mm
– Schubkasten + Korpus  (aus fertig beschichtetem Material)

Zuerst sollten wir eine Skizze mit unseren Ideen entwerfen , die wir auch gemeinsam in der Schule besprochen haben. Bei dem ein oder anderen traten dann Probleme auf, wie dass die Anordnung nicht passend, der Flur-Organizer überfüllt ist oder es einfach zu viele unterschiedliche Werkstoffe waren.
Damit wir uns den Flur-Organizer besser vorstellen und auch verschiedene Anordnungen probieren können, sollten wir ein Modell fertigen im Maßstab 1:5.

Mein Modell im Maßstab 1:5.

Ich habe mich  bei meinem Modell für verschiedene Werkstoffe entschieden. Die Grundplatte ist aus Ahorn. Meine Pinnwand (Kreis) soll aus Metall sein, da ich Magnete anheften möchte.  Die Ablage über den Haken soll auch aus Metall sein. Da der Schubkasten farblich dazu passen soll, möchte ich als fertig beschichtetes Material eine dunkelgraue/anthrazitfarbene Front haben. Die Ablage oben rechts ist für Handys oder andere Utensilien gedacht. Da in solchen Fächern meistens einfach alles rein geworfen wird und man irgendwann keine Ahnung mehr hat, was sich darin befindet, mache ich meine Front aus Acrylglas, so dass man immer einen Überblick hat. Die Haken unten links können dann als Ablage für den Schlüssel oder auch als Kleiderhaken oder Ähnliches verwendet werden.

… von der Seite.

Hier sieht man mein Modell von oben.

Mir hat es geholfen, dass ich ein Modell gemacht habe, denn ich habe ein paar Teile noch an die Größe angepasst und geändert. Aus Karton kann man sich also viel selbst Helfen, um das eigene Vorstellungsvermögen zu fördern.

 

Die richtige Menge macht’s

So sollte keine Furnierpresse aussehen!

Diese Woche haben wir unsere letzten Teile für unseren Beistelltisch furniert. Die Fachböden wurden mit HPL beschichtet. Wie ihr seht, kann man selbst beim Furniervorgang, den die Presse eigentlich allein erledigt, auch etwas falsch machen.

Durch das HPL kann es schon mal keinen Leimdurchschlag geben, da der Leim durch die HPL-Beschichtung nicht durchgeht … Aber er kann trotzdem an den falschen Stellen austreten. Der Unterschied zum letzten Mal: Dieses Mal haben wir den Leim mit der Spachtel aufgetragen. (Die Woche davor haben wir dafür die Leimrolle verwendet.)

Leimauftragen mit der Spachtel.

Das Leimauftragen mit der Spachtel ist eigentlich nicht schwer. Das Schwierige ist vielmehr, ein richtiges Gefühl dafür zu bekommen, wann es zu viel Leim ist und wann zu wenig! Wir haben das alle zum ersten Mal gebracht und jeder hatte zu viel Leim aufgetragen. So hat es uns in der Presse durch den Pressdruck den ganzen Leim herausgedrückt. Die Folge davon war, dass die Presse voll mit Leim war und wir diese erstmal putzen mussten, bevor wir mit dem Furnieren weitermachen konnten. Denn mit einer verdreckten Presse kann und sollte man nicht arbeiten, da es dann nur zu Fehlverleimungen kommt!

Aber: Probieren geht über Studieren! Wir haben daraus gelernt und immerhin schon ein besseres Gefühl dafür bekommen, wie viel Leim wir benötigen.

Ich wünsche euch noch ein schönes verlängertes Pfingstwochenende! 🙂

 

Furnieren … gar nicht so einfach

Diese Woche haben wir mit Furnierarbeiten angefangen. Auch hier haben wir eine maschinelle Variante und auch die Variante per Hand kennengelernt.

Maschinell haben wir mit dem Schmelzklebefaden gearbeitet. Hierbei muss man echt aufpassen, dass die Fugen nicht übereinander geschoben werden, aber zu weit auseinander dürfen sie auch nicht sein. Falls sie aber doch zu weit auseinander liegen, kann sich mit dem Fugenpapier helfen. 🙂 Durch das Trocknen des Papiers zieht es nämlich die Fuge noch ein bisschen zusammen.

Das Interessanteste diese Woche aber war, dass wir  die Variante per Hand an unserer eigens kreierten Tischplatte anwenden durften. Ich habe mich für eine Kreuzfuge  aus Esche entschieden, einen Rahmen aus Zebrano und dann kommt noch ein Randfries aus Esche darum, den ich auf Gehrung schneiden werde.

Meine Kreuzfuge aus Esche.

Der gestreifte Rahmen ist aus Zebrano, die Ecken aus Nussbaum.

Wir haben gemerkt, dass auch die Furnierauswahl sehr wichtig ist: Denn verwende ich ein grobporiges Furnier, brechen mir bei feinen Arbeiten oft die Ecken weg. Es ist also schwieriger damit zu arbeiten. Zebrano hat sich auch ziemlich schwer bearbeiten lassen, da es sehr schnell einreist. Ich habe dem vorgebeugt, indem ich an den Stellen, an denen ich schneiden möchte,  Fugenpapier angebracht habe.

Maschine vs. Handarbeit

Heute berichte ich euch von unserem neuesten Projekt in der Schule. Wir fertigen einen Beistelltisch. Der Tisch wird komplett aus Buche furniert und mit Buche Vollholzanleimern verschönert. In der Schule wurde uns gezeigt, wie wir die Anleimer von Hand anleimen, aber auch wie es mit der Kantenleimmaschine funktioniert.

Da wir unsere obere Tischplatte auf Gehrung wollen, mussten wir uns überlegen, wie wir das am Besten und Schnellsten hinbekommen.

Hier müssen wir nach dem Richten der Kanten noch die Gehrung ausstanzen.

Passen die Gehrungen zusammen, kann man sie anleimen.

Hier seht ihr meine Gehrung. Oben und unten haben wir jeweils noch Überstand gelassen, damit wir sie nach dem Abbinden des Leims an der Tischfräse bündig fräsen können.

Als wir unsere Kanten maschinell Anleimen wollten, gab es bei uns Probleme, aber auch diese muss man lösen können.

Als wir die Kanten drauf gefahren haben, hat es uns bei einigen Werkstücken von den Bündigfräsern riesige Scharten in die Kanten gemacht, welche man dann so nicht mehr verwenden konnte.  Also musste auf die Schnelle eine andere Lösung her, denn das Problem an den Fräsern haben wir nicht gefunden.

Die Lösung: Wir haben die Fräser an der Kantenleimmaschine ganz ausgeschalten, damit wir denselben Effekt haben wie bei der Variante von Hand,  so dass der Überstand noch da ist. Und sind dann wieder an die Tischfräse gegangen um dort ein besseres Ergebnis zu erzielen.

…und ein perfektes Ergebnis 🙂

Wie ihr seht, muss man ab und zu auch umdenken und nicht nur die Maschine alles machen lassen und denken: „Die macht das schon gut“. Das macht sie nämlich nicht immer, wie man bei uns gesehen hat 🙂 Also, Kopf immer dabei haben und mitdenken! 🙂

Nächste Woche geht es für uns Auszubildende im 1. Lehrjahr wieder eine Woche lang in die Ausbildungsbetriebe!
Mal gespannt, was da Interessantes auf mich wartet.

 

Der Handwerkertag

Die Aufgabe für die Kinder.

Am Wochenende war Handwerkertag in Künzelsau. Stefan und ich durften die Schreiner vertreten. Die Kinder hatten die oben genannte Aufgabe zu erledigen und haben danach von uns als Belohnung einen Stempel bekommen. Für die Klasse mit den meisten Stempeln gab es einen Preis. Interessant war, dass viele Kinder trotz anfänglicher Skepsis, richtig gut gesägt haben!

Hoffentlich konnten wir einige Mädchen und auch Jungs  für unseren Beruf begeistern! 🙂

Wie ein Raum entsteht…

Diese Woche hatten wir Ferien. Ich habe die Zeit für Arbeiten im Ausbildungsbetrieb genutzt. Da ich noch Vollzeit Schülerin bin (bei uns in Baden-Württemberg ist das Ausbildungssystem so), ist es für mich  interessant und vor allem abwechslungsreich, arbeiten zu gehen, um das Gelernte umzusetzen.

An meinem letzten Arbeitstag durfte ich beim Trockenbau  helfen. Unser Blogger Stefan hat seinen Urlaubstag  dafür genutzt, mir einiges zu zeigen und zu erklären. Für mich war das sehr interessant, da man nicht jeden Tag dabei ist, wenn „Wände entstehen“. Die Konstruktionen für die Ständerwände waren schon alle gestellt, das heißt die groben Raumabteilungen waren schon gegeben. Wir haben dann noch die OSB-Platten angebracht, bevor die Gipskartonplatten aufgeschossen wurden. Warum? So bekommt man einen etwas höheren Schallschutz und die Wände werden zudem stabiler.

Hier haben wir keine OSB-Platten verwendet.

Stefan schießt hier gerade die Platten mit einem Druckluft-Nagelgerät an die Konstruktion der Ständerwände.

Dass wir in der Schule unseren TSM1 angefangen haben, habe ich euch ja erzählt. Beim Arbeiten hat mir die Übung in der Schule schon einmal einen großen Vorteil verschafft, da ich mich mit der Handkreissäge und ihren Gefahren schon auskannte. So durfte ich auch gleich die OSB-Platten ausmessen und ablängen. 🙂

-> Hier könnt ihr im Hintergrund auch nochmal die Ständerwände-Konstruktionen sehen, auf die wir unsere OSB-Platten aufgeschossen haben.

Welche Schraube braucht man wofür?

Es gibt viele Arten von Schrauben – mit Voll- oder Teilgewinde, sowie mit unterschiedlichen Kopf- oder Antriebsformen. Also: Woher weiß ich, welche Schraube ich für mein Werkstück  verwenden soll? Gibt es Unterschiede in der Schraubenhaftung? Was muss ich beim Schrauben alles beachten?

Auf einige Punkte kann ich euch jetzt eine Antwort geben 🙂
Diese Woche haben wir uns nämlich im Berufstheorieunterricht mit Schrauben bzw. Schraubenverbindungen auseinandergesetzt und auch anhand von Versuchen getestet, was bei der Schraubenhaftung und den verschiedenen Verschraubungstechniken alles beachtet werden muss.
Besonders wichtig die sogenannten „Anzieheigenschaften“, denn es gibt Schrauben mit Voll- und Teilgewinde.
Wann nehme ich jetzt was, fragt ihr euch? Wir haben gelernt, dass, wenn man zwei Platten aufeinander schrauben möchte, besser ein Teilgewinde verwendet, denn die obere Platte kann sonst nicht dicht genug an die untere Platte angezogen werden, da das „Gewinde im weg ist“. Mit einem Teilgewinde kann man das vermeiden, da das Gewinde komplett in der unteren Platte ist. ODER: Ihr bohrt einfach vor 🙂 Indem man mit dem Schraubendurchmesser die erste Platte vorbohrt und eine Vollgewindeschraube verwendet, erzielt man denselben Effekt wie mit der Teilgewindeschraube.

Welche Schraubendicke ist nun aber richtig?
Wir haben es getestet! In der Schule haben wir anhand von Versuchen die Spalteigenschaften untersucht und sind zu folgendem Ergebnis gekommen: Je dicker die Schraube und je näher sie sich am Werkstücksrand befindet, desto größer ist die Spaltkraft und desto wahrscheinlicher spalte ich mein Werkstück.
TIPP: Um die Spaltgefahr zu reduzieren, bohrt man mit dem Kerndurchmesser der Schraube vor.

Hier haben wir den Versuch ohne Vorbohren durchgeführt. Links sieht man Ahorn und rechts Eiche, man kann aber nicht pauschal sagen, dass die Spaltkraft bei Eiche geringer ist, denn jedes Stück Holz ist anders.

Die Schraubenhaftung haben mit der Weberpresse getestet. Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, hält die Schraube im Hartholz besser als im Weichholz. Bei Hirnholz (hier wird das Holz nicht wie üblich längs zum Stamm, sondern quer zum Stamm geschnitten) schneidet die Schraube die Fasern durch und bei Längsholz reißt es aus. Bei Hirnholz sieht es aus als ob wir vorgebohrt haben, aber bei keinem Versuch haben wir vorgebohrt!
Die Schrauben in Hirnholz halten aber nicht so gut wie im Längsholz.

Unsere Ergebnisse der Schraubenhaftung.

Die linke Schraube war in Hirnholz und die Rechte in Längsholz.