Kategorie-Archiv: Allgemein

Ich bin’s – die Neue!

Hallo zusammen,
ich bin die neue Bloggerin und freue mich schon sehr, Euch wöchentlich über meine Erfahrungen und Projekte im Bereich des Schreinerhandwerks berichten zu können.
Mein Name ist Cathrin Brüstle, ich bin 18 Jahre alt, komme aus Freiburg und habe diesen Sommer mein Abitur gemacht.
Bereits in meiner Kindheit hatte ich große Freude daran, mich handwerklich zu betätigen. Über die Jahre wuchs dazu mein Interesse und die Faszination am Werkstoff Holz und dem Design von Möbeln und Räumen.
Nun werde ich in diesem Monat meine Ausbildung zur Schreinerin bei der Firma Becherer Möbelwerkstätten in Elzach beginnen. Da es hier in Baden-Würtemberg so üblich ist, gehe auch ich in meinem ersten Lehrjahr in die Holzfachschule in Emmendingen, die ich 4 Tage in der Woche besuche. Am 5. Tag bin ich in meinem Ausbildungsbetrieb.

Hier ein kleiner Einblick in das „Sommerprojekt“ meiner Familie: Unser eigenes Gartenhaus, das bald fertiggestellt sein wird. 

 

Furnieren – Das Schachbrett und der Labrador

Wie ihr in meinem letzten Beitrag lesen konntet, musste ich im Lehrgang das Furnieren üben.  Furnier ist eigentlich eine ganz interessante Sache, doch was ist Furnier eigentlich?

Kurz gefasst ist Furnier nichts weiter als ganz dünne Lagen Holz, meist um die 1 mm dick (es gibt auch dickere und dünnere Furniere, je nach Wert des Holzes). Da der Rohstoff Holz teuer sowie knapp ist, hat sich irgendjemand Cleveres gedacht, man könnte günstige Spanplatten einfach mittels Furnierblätter so aussehen lassen, als wären sie durch und durch massiv. Das hat gleich mehrere Vorteile: zum einen ist es günstiger und schonender für die Ressource Holz, zum anderen gibt es beim Möbelbau aus Massivholz einige Schwierigkeiten, wie das Schwinden und Quellen von Holz.

Wir mussten in dem Kurs das Schachbrett beenden und durften uns dann an ein ganz eigenes Motiv wagen. Ich habe mir einen Labrador im Polygon Style ausgesucht. Das Bild habe ich im Internet gefunden und dann in meiner gewählten Größe ausgedruckt. anschließend habe ich es mit Transferpapier auf mein Hintergrundfurnier übertragen. Sobald das fertig war, kam der große Akt, die Dreiecke fein säuberlich mit dem Cuttermesser ausschneiden. Dies wurde erst aus dem Hintergrund ausgeschnitten und dann aus dem dunkleren Furnier, das ich mir dann ausgesucht habe. Das neue Dreieck wird dann mit Fugenpapier in das Loch im Hintergrund-Furnier geklebt. Nachdem alle Dreiecke fertig sind, wird das Ganze auf eine Spanplatte gepresst und zugeschnitten. Nach dem Zuschnitt werden noch die Kanten angeklebt und das ganze Fugenpapier abgezogen, sowie die ganze Platte geschliffen und geölt. Hier sehr ihr die Ergebnisse.

Mein fertiges Bild 🙂

Stauraum schaffen

Vor kurzem waren wir bei einem Kunden, der ein altes Zimmer neu einrichten wollte. Für uns hieß das: Stauraum schaffen. Das Problem war, dass sich auf beiden Seiten des Zimmers eine Dachschräge befand,  sodass wir keinen großen Kleiderschrank hineinstellen stellen. Wir haben eine andere, individuelle Lösung montiert:

Hier seht ihr den Raum mit den zu verbauenden Materialien. Die Schränke stehen schon am richtigen Platz, jetzt müssen nur noch die Schiebetüren an die richtige Stelle gebracht werden.

Geschaff! Hier sieht man die Schiebetüren im offenen Zustand.

Alternativ: Statt den tollen Farben hätte man auch auf eine der Schiebetüren einen Spiegel anbringen können.

 

Stundenlanges Zeichnen …

Langsam gehen bei uns auch die ersten Vorbereitungen für den Bau des Gesellenstücks los. So sollten wir uns diese Woche in der Berufsschule ein Möbelstück zur Übung ausdenken, dass dann wie das Gesellenstück ordentlich mit Hauptzeichung und den dazugehörigen Schnitten gezeichnet wurde.

Es ist schon erstaunlich, wie viel Zeit eine komplette technische Zeichnung dauert, selbst wenn es sich um ein doch eher einfaches Möbelstück handelt.
Aber dafür lassen sich später beim Bau des Stückes alle Maße und Details super schnell erfassen.

Zum Üben habe ich mir einen kleinen Tisch ausgedacht, mit einem Schubkästen und einer aufklappbaren Tischplatte.

Schaut es euch einfach mal an, mal sehen ob ihr durchblickt …

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Zwischenprüfung

Hier könnt ihr unser Zwischenprüfungsstück sehen. Wir mussten eine Kiste herstellen. Sechs Stunden hatten wir dafür Zeit. Innerhalb dieser Zeit fand auch noch ein 10-15 minütiges Fachgespräch statt, bei dem uns Fragen zum Stück gestellt wurden, einfach um zu sehen, ob man das Stück verstanden hat.

Ja, jetzt im Nachhinein kann ich sagen, dass das Prüfungsstück eigentlich echt nicht schwer war. Aber man muss sich auch mal in die Prüfungssituation versetzten: Im Raum ist es ruhig und man ist sowieso angespannt und man hörte von den vorherigen Jahrgängen, dass die Zwischenprüfung in der Regel nie so gut ausfällt. Meine Anspannung war sehr hoch, da dies die erste Bewertung mit dem Kammerschlüssel war und man bei der Hälfte der Punktzahl eigentlich schon durch die Zwischenprüfung gefallen wäre (zum Glück zählt bei uns aber die Zwischenprüfung nicht zur Gesellenprüfung). Ich habe trotzdem probiert, einen kühlen Kopf zu bewahren und muss sagen, dass ich es auch ziemlich gut hinbekommen habe. Mit meiner Note und mit meiner Leistung bin ich also zufrieden. Das größte Problem ist einfach die ZEIT, die sitzt einem immer im Nacken, deshalb wurde es bei uns auch ab und zu ein bisschen hektisch. Trotz allem, hat alles super geklappt und so ist dann meine nächste Prüfung schon die Gesellenprüfung: Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht! 🙂

Der Schubkasten ist an zwei Ecken gezinkt und an zwei Ecken gedübelt. Die Klappe ist mit einem Stangenscharnier (Klavierband) befestigt.

Die Oberflächen waren alle unbehandelt, ich habe aber für mich zu Hause das Werkstück geölt.

Serienproduktion im Schreinerhandwerk

Serienproduktionen kennt man eigentlich aus großen Konzernen, die in kürzester Zeit möglichst viele gleiche Autos, Möbel usw. produzieren … Doch auch im Alltag eines Schreiners kann man auf die sogenannte „Serienproduktion“ stoßen. Allerdings sieht das bei uns ein bisschen anders aus 😉
Der Tischler bzw. Schreiner ist bekannt für seine individuell angepassten Raumlösungen und gewinnt mit der Zeit der industriellen Möbelindustrie immer mehr an Bedeutung. Denn bei uns gibt es Möbel und Raumgestaltungen hinsichtlich Design, Funktion und Maß genau nach Kundenwunsch. Naja, irgendwie schweife ich hier gerade ziemlich von der Serienproduktion des Schreiners ab …
Also weiter im Text! Wir haben vor kurzem zwei große Büros inklusive Pausenraum gebaut. Um möglichst viel Gewinn zu verbuchen, geht es natürlich auch beim heutigen Schreiner darum, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu produzieren. Also kommen wir auch hier auf die Serienproduktion im kleinen Stil zurück. Bei uns sah es so aus, dass es insgesamt fünf verschiedene Korpustypen gab. Es gab 17 mal Korpustyp I, 7 mal Korpustyp II usw.
Dank CNC Technik etc. schafft auch der heutige Schreiner in kürzester Zeit mehrere Büroeinrichtungen in einem Arbeitsgang! Aber seht selbst:

Mit Vakuumarm werden die ganzen Platten spielend auf die Plattensäge befördert. Danach geht’s ans Bekanten und dann ab durch die CNC.

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Das Räuchern von Furnieren

Ich habe momentan den letzten Lehrgang. Dieser befasst sich mit dem Thema Furnieren und Oberflächenbehandlung von Objekten. Wir haben diese Woche den Umgang mit Furnieren gelernt, das heißt, wir mussten das Furnier auswählen, zuschneiden und fügen. Das war für mich und die meisten Schüler Neuland, denn furniert haben wir auf der Arbeit bisher nur einzelne Blätter auf großen Platten.

Für mein Schachbrett habe ich Esche, Kirsche und Palisander benutzt.

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Frauen im Handwerk

Viele denken bei dem Thema „Frauen im Handwerk“ immer an die typischen Berufe, wie zum Beispiel Friseurin oder Schneiderin. Aber warum denn nicht auch mal an die traditionellen „Männerberufe“? Schreinerin zum Beispiel 😉

Aus vielen Köpfen muss man erst Mal raus bekommen, dass heutzutage auch Frauen in Männerberufe einsteigen können und das mindestens genauso gut drauf haben, oder auch vielleicht besser 😛 .  Eine Frau als Schreinerin ist gar nicht mehr so selten. Wenn ich jemandem vom meiner Ausbildung erzähle heißt es immer: „Wow, wie cool, dass du dich das traust. Aber der Beruf ist ja so kreativ und richtig vielseitig.“ Warum sollte ich mich das nicht trauen? In meiner Klasse waren wir anfangs fünf Mädchen, was ich echt cool finde und auch jeder begeistert davon ist. Traut euch doch auch mal und sagt nicht immer nur, dass der Beruf echt cool ist! 🙂

Derzeit habt ihr im Handwerk richtig gute Chancen auf einen Job. Es werden Fachkräfte gesucht ohne Ende, freie Lehrstellen gibt es auch genügend und mit ein bisschen Motivation und Engagement findet man dann auch sehr schnell einen Betrieb.

Warum Handwerk und nicht Industrie?

Ganz einfach: Ihr arbeitet von Anfang bis Ende mit und seit nicht nur ein Teil des Arbeitsablaufs und arbeitet mit Kopf und Händen am Werkstück. Da im Handwerk viele kleine Unternehmen zu finden sind, trifft man oft auf Familienunternehmen, was das Arbeiten viel entspannter macht und man nicht nur „eine von vielen“ ist, wie in vielen großen Firmen mit über 1.000 Mitarbeitern.

Traut euch! Macht den ersten Schritt und zeigt, was ihr könnt!