Kategorie-Archiv: Jonas

ProHolz NRW – klingt gut! Aber was steckt dahinter?

Vor Kurzem wurde ich als Tischler und Blogger zu einer Veranstaltung von ProHolz NRW eingeladen. Dabei sollte es vorrangig um die Erarbeitung möglicher Lösungsansätze für den aktuellen Fachkräftemangel gehen – und das klang erst mal interessant. Ich beschloss also, mir das Ganze anzusehen, und fuhr in das Bildungszentrum Holz im Sauerland.

Dort erfuhr ich zunächst einmal, was sich hinter ProHolz NRW eigentlich verbirgt. Es ist eine Clusterinitiative, die sich übergreifend mit allen Gewerken befasst, die etwas mit dem Werkstoff Holz zu tun haben. Das geht vom Waldarbeiter, über die Sägewerke bis zum Tischler. Sogar die Holzingenieure gehören dazu.

So waren wir also vor Ort: zahlreiche verschiedenartig ausgebildete Fachkräfte mit unterschiedlichsten Berufshintergründen. Eingangs wurde ein interessanter Vortrag gehalten, und danach ging es an die Arbeit.
In Kleingruppen beschäftigten wir uns mit dem Thema Fachkräftemangel. Gemeinsam überlegten wir, wie es gelingen könnte, bei jungen Menschen mehr Interesse für den Rohstoff Holz und das Arbeiten mit demselben zu erwecken. Aus eigener Erfahrung kann ich nämlich sagen, dass das Arbeiten mit Holz nicht nur vielfältig und interessant, sondern auch sehr zufriedenmachend ist.  Doch oft haben die jungen Leute ganz falsche Vorstellungen davon.

So kamen wir zu dem Ergebnis, dass in einem ersten Schritt die Kommunikation und der Gesamtauftritt der Clusterintiative derart gestaltet werden sollte, dass sich dort alle Gewerke  wiederfinden und man über die Clusterintiative Informationen zu allen Bereichen erhält. Also quasi eine Plattform, die mit sämtlichen Fachverbänden, Gewerken, Handwerkskammern und Schulen gemeinsam an Lösungen arbeitet. Denn gemeinsam ist man stark. An einem Strang zu ziehen, ist wichtig, umso mehr jetzt, wo den Betrieben allmählich die Fachkräfte ausgehen und die inländische Produktion immer weiter zurückgeht. Das Handwerk und der gesamte Mittelstand sind Motor der deutschen Wirtschaft – auch deshalb gilt es, sie zu stärken. Dafür braucht es auch das Zutun der Politik. Zeit zum Handeln also.

Im Tischler- und Schreinerhandwerk leisten dahin gehend der Bundesverband Tischler Schreiner Deutschland sowie die Landesverbände und Innungen schon großartige Arbeit für die Betriebe – dafür an dieser Stelle mal ein Dankeschön! Auch auf die Nachwuchsgewinnung wird hier ein besonders großes Augenmerk gelegt – mit kreativen und öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen.

Aber nun noch mal zurück zu den Fragestellungen, die uns im Rahmen des ProHolz-Treffen beschäftigten. Wie gelingt es, in den Köpfen der Leute wieder ein zeitgemäßes Bild des Handwerks zu schaffen?

In unserer Arbeitsgruppe waren wir uns schnell einig, dass man die Verbindung zum Werkstoff Holz ab dem Kindesalter mehr stärken sollte. Welches Kind spielt nicht gerne mit Holzbauklötzen? Doch im Verlauf der schulischen Ausbildung wird das Arbeiten mit Holz und anderen Werkstoffen eher als Hobby betrachtet und nicht als potenzielle Jobmöglichkeit. Zwar kommen die Kinder und Jugendlichen im Rahmen von Kunst- und Werkunterricht mit verschiedenen Materialien – und eben auch mit Holz – in Berührung, aber halt nur sehr oberflächlich. Des Weiteren wären Betriebsbesichtigungen und konkrete, praktische Einblicke in die modernen Betriebe sinnvoll – auch für die Schüler und Schülerinnen der Gymnasialzweige. So lässt sich am besten ein zeitgemäßes Berufsbild der einzelnen Gewerke vermitteln. Ein Tischler zum Beispiel arbeitet heutzutage überwiegend mit modernsten computergesteuerten Maschinen. Hier programmieren sogar Auszubildende fünfachsige CNC-Maschinen und aus der traditionellen Hobelbank sind längst moderne Arbeitstische mit Vakuumspannvorrichtungen geworden.

Im Zuge dessen sollte man meines Erachtens auch das Ausbildungssystem der Tischler überdenken. Gerade in NRW finde ich das Ausbildungssystem etwas veraltet. Das händische Zeichnen und die Fähigkeit, klassische Holzverbindungen herzustellen, sind wichtig – keine Frage. Aber beinah noch wichtiger sind inzwischen die Bedienung moderner CNC-Maschinen und das Beherrschen von CAD-Programmen und den entsprechenden CAD/CAM Anbindungen. Um all das der jüngeren Generation zu vermitteln bräuchte es am besten junge, engagierte Botschafter des Handwerks, die vor Ort praktische Einblicke geben. Damit wieder mehr junge Menschen Lust bekommen, sich professionell mit dem aus meiner Sicht interessantesten Werkstoff überhaupt zu beschäftigen – mit Holz!

 

Wandverkleidungen

Als Schreinerei, die sich  auf den hochwertigen Innenausbau spezialisiert hat, dürfen wir individuellste Raumlösungen für Privat- und Geschäftskunden entwickeln. Für einen unserer Geschäftskunden sollen wir zurzeit Wandabwicklungen fertigen. Diese besteht aus einer durchgängig verkleideten Wand sowie einer Medienwand mit integrierten Monitoren etc. Beide Wände sollen schallgeschützt sein. Außerdem müssen alle Bauteile einzeln abgenommen werden können, da hinter den Wandabwicklungen die gesamte Medienanlagen- und  Klimatechnik liegt. Die Schallschutzelemente werden durch eine spezielle Frästechnik hergestellt und mit Nussbaumfurnier belegt. Anschließend werden die Elemente lackiert. Die Maserung läuft selbstverständlich durch 😉

Hier seht ihr die Zeichnung zur Medienwand …

Und so sieht sie zusammengebaut in der Werkstatt aus.

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Massivholzfräsung

Vor Kurzem wurden bei uns jede Menge Bankelemente aus Massivholz gefertigt. Nachdem die Bohlen aufgetrennt wurden und die Bearbeitung mit dem Abricht- und Dickenhobel geschafft war, ging es wieder ans Programmieren der CNC-Daten. Hierbei musste vor allem beachtet werden, dass man nicht entgegen der Faser fräst, denn sonst reißen diese aus. Deshalb habe  ich mit einem Aufmaß von 2 mm die komplette Kontur vorerst mit einem Schruppfräser ausgefräst. Danach habe ich die einzelnen Konturteile mit einem scharfen links und rechts laufenden Wendeplattenfräser nachgefräst. Natürlich immer schön mit der Faser!

Das Programm entsteht. Ganz schön viele verschiedene Fräsgänge sind hierzu nötig.

So sieht das Ganze dann außerhalb des Bildschirmes aus 😉

Und hier natürlich noch einmal ein Bild der fertigen Teile 🙂

Ladenbau, Teil II

In diesem Fall liegt das Augenmerk auf der Möglichkeit, die Möbelelemente zu bestücken, denn hier ist entscheidend, dass der Kunde möglichst viele Produkte zeigen und verkaufen kann. Individualisierte Nutzbarkeit verknüpft mit einer modernen Optik stehen im Fokus, wobei es an der Qualität natürlich nicht mangeln darf.
Für diesen Kunden haben wir einen speziellen Katalog angefertigt. So kann er sich bei jedem neuen Laden genau überlegen, welche Möbelelemente er gern hätte. Wir planen dann mit ihm gemeinsam das neue Ladenlokal, und schon geht’s los mit der Produktion. 

Der Thekenbereich dient sowohl als Verkaufs- als auch als Beratungsstelle.

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Ladenbau, Teil I

In meinen nächsten beiden Blogbeiträgen werde ich  euch anhand von Projekten unserer Firma das Thema Ladenbau etwas näherbringen. Denn als Tischler beziehungsweise Schreiner habt ihr es sowohl mit Privat- als auch mit Geschäftskunden zu tun.


Bei dem ersten Projekt, das ich euch vorstellen möchte, handelt es sich um ein großes Fotostudio. Hier liegt der Augenmerk besonders auf den geschwungenen Formen und der einladenden Gesamtoptik. Es soll ein Ambiente geschaffen werden, in dem der Kunde sich wohlfühlt – ein entscheidender Faktor bei Fotoshootings. Da bei uns Perfektion, Maßanfertigung und Qualität an erster Stelle stehen, haben wir sogar extra Schablonen für den Fliesenleger gefertigt. Denn nur war es möglich, die Fliesen so verlegen, dass sie exakt zu unseren Möbeln und deren Formgebung passen.

Eine geschwungene und …

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Stilsicher!

Der Tischler beziehungsweise Schreiner ist nicht nur bekannt für seine qualitativ hochwertigen Möbel, sondern im besten Falle auch für seine Kreativität, Individualität und Gestaltungsfähigkeiten.  Das sieht man zurzeit auch wieder sehr schön bei den anderen Bloggern und ihren wirklich tollen Gesellenstücken.
Doch auch nach dem Gesellenstückbau hört die kreative Gestaltungsphase ja zum Glück nicht auf.

So haben wir für eine Kundin ein Möbel entwickelt, das ruhig als Kunstwerk betrachtet werden darf.  Normal kann schließlich jeder 😉
Im Zuge der Planung haben wir uns entschieden, die Front des Möbels durch Aufbringen eines Digitalaufdrucks besonders zu betonen. Der Korpus an sich hebt sich rein optisch nicht ab, überzeugt jedoch durch seine wunderschöne lackierte Oberfläche. Als zusätzlichen Eyecatcher haben wir ein echtes kleines Geweih in Silber lackiert und über dem Möbel aufgehängt. Im gesamten Raum wirkt das Möbel einfach nur wahnsinnig stilvoll und passt megagut in den Raum der Kundin.
Als Schreiner bin ich stolz darauf, den Lebens- oder Arbeitsraum meiner Kunden nach individuellen Wünschen nutzbar zu machen und zugleich gestalten zu dürfen.

Ein sehr gelungenes Kunstwerk …

… das zugleich als edler Stauraum genutzt wird.

 

Die Dampflok

In einem älteren Blogeintrag, habe ich euch ja bereits die ersten Bilder des Lokomotivbaus gezeigt.
Damals stand das Grundgerüst der Lok und man konnte die ersten Details einer Lok inklusive ihrem Kohlender erkennen.

 

In den folgenden Bildern seht ihr die fertiggestellte Dampflok. Sie wurde detailgetreu bemalt und liebevoll für das Heimatfest in Insul zurechtgemacht.
Anhand von diesem Beispiel kann man sehr gut erkennen, was die Gestaltung eines Produktes ausmacht, oder?

Und so sieht sie aus!
Mich persönlich begeistert immer noch vor allem diese Wahnsinnsveränderung nur durch die extrem detailgetreue Gestaltung.

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Faszination LIGNA

Die Ligna 2019 ist leider schon wieder vorbei. Doch als Ligna-Blogger habe ich einige tolle Einblicke bekommen, die ich gerne mit euch über den TSD-Ausbildungsblog teilen möchte.

Im Außenbereich der Messe konnte man überall die Geräusche der arbeitenden Kettensägen und Forstmaschinen hören. Sogar die 14. Waldarbeitsmeisterschaften fanden hier statt. Aber auch in den Hallen war jede Menge los. Viele Hersteller präsentierten den Zuschauern in eindrucksvollen Maschinen-Shows  die vielfältige Welt der Technik. Einer der  größten Aussteller war die Firma HOMAG, hier konnte man Maschinenparks in drei Stufen sehen. Angefangen bei einem handwerkstauglichen Maschinenpark, der durch Effizienz begeisterte, bis hin zu industriellen Fertigungsstraßen mit autonomen Zellen. Ein Wahnsinnsspektakel!

HOMAG hatte diesmal etwas ganz Besonderes für Handwerksbetriebe im Gepäck: In der Industrie ist es mittlerweile vollkommen üblich, Maschinenparks per Apps zu steuern und die IT-Sicherung für die Produktionsprozesse in der Cloud zu speichern. Diese Technik wird nun auch für kleine Maschinenparks angeboten. Die Apps kann man anfangs kostenlos testen und sich ein individuelles Programm erstellen. Das Schöne daran ist, dass die Technik in der Industrie gereift und nun auch für Handwerksbetriebe frei verfügbar ist. Des Weiteren sind die Apps maschinenneutral. So können auch ältere HOMAG-Maschinen angesteuert werden. Durch die Apps kann ich meine Produktion transparenter gestalten, alle Schritte nachverfolgen und den Produktionsstatus abrufen. Zusätzlich habe ich eine perfekte Datenübertragung an meine Schnittstellen. So weiß ich zum Beispiel durch den neuen HOMAG-Kantenkarton, wie viel Kante noch auf meiner Rolle ist und wann ich neue bestellen muss. Das erspart einiges an Zeit und Arbeit. In Bezug auf die Zeitersparnis können jetzt sogar Dübel und Beschläge automatisch während der Bearbeitung von den Maschinen eingetrieben beziehungsweise eingesetzt werden.Ein weiteres Highlight war ein hochentwickeltes Handschuhsystem mit integriertem Barcodeleser. Damit lässt sich genau erkennen, welches Teil aus dem Lager benötigt wird, um einen bestimmten Korpus zusammenzusetzen. So kommunizieren die Maschinen nicht nur untereinander, sondern inzwischen auch mit uns Menschen, wodurch die Fehlerquote gesenkt und die Effizienz im Produktionsablauf weiter gesteigert wird.

Doch auch andere Unternehmen beeindruckten mit atemberaubender Technik, so zum die Firme Biesse. Auch hier begeisterten automative Produktionszellen die Besucher. In Rekordzeit werden Möbelteile per CNC bearbeitet oder genestet und im Anschluss wird automatisch die Kante angefahren. Im letzten Produktionsschritt werden dann die fertigen Möbelteile kommissionsweise abgestapelt. Auf diese Weise können innerhalb von acht Stunden 16000 bis 18000 Möbelteile produziert werden. Ganz wichtig ist dabei natürlich wieder das Barcode-System. Denn nur so wissen die Maschinen genau, wo welche Teile sind und welche Bearbeitung welches Möbelteil bekommt. Beim Thema Nesting bringt Biesse ein ganz neues System auf den Markt. Denn so ist es mir möglich, auf meine Opferplatte beliebig Sauger zu positionieren. Diese werden einfach durch meine Opferplatte angesaugt. Diese Weltneuheit spart wieder viel Rüstzeit und begeistert den Bediener einer solchen Maschine.

Biesse wendet für ihre Maschinentypen die sogenannte Smart Technology an. So ist es auch mir als Handwerker möglich, eine Maschine zu kaufen, die mit der Technik der Industrie ausgestattet ist. Des Weiteren kann ich die Maschinen nun aufstocken und muss nicht zwingend auf die nächstgrößere Maschine ausweichen.

Auch die Nutzerfreundlichkeit der Maschinen rückt bei HOMAG und Biesse weiter in den Fokus, was besonders gut im Bereich der Plattensägen zu sehen war: HOMAG bietet hier ein projektierendes Pfeilsystem auf den Werkstücken an und Biesse nutzt einen zweiten, gut sichtbaren Bildschirm, der den Produktionsschritt zeigt.