Das Vesperbrett

In einer unserer ersten Berufsfachkunde-Schulstunden haben wir uns mit dem Zeichnen und Bemaßen eines Vesperbrettes beschäftigt.
Hierbei durften wir uns eine beliebige Form aussuchen, jedoch musste sie Rundungen enthalten. Die individuellen Bretter sollten nun mittels Lineal und Zirkel konstruiert werden.
In den letzten Berufspraxiskunde-Stunden widmeten wir uns der Herstellung dieser Vesperbretter.
Zu Beginn wählten wir das Holz aus. Dabei entschieden wir uns für stabiles Ahornholz. Dieses längten wir ab, besäumten es, hobelten eine Seite plan und fügten eine Kante an. Die übrigen Flächen und Kanten hobelten wir ebenfalls aus.
Nun begann jeder, sich mit seiner Form zu beschäftigen. Ich hatte mich für die Form einer Ananas entschieden, die ich dann auf das Holz zeichnete. Im Anschluss sägte jeder sein Brett in die gewünschte Form mit der Bandsäge zu.

Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, beschäftigten wir uns mit der Oberfläche. Dabei fügten wir die Kanten rechtwinklig zu den Flächen an. Dazu verwendeten wir die Raspel sowie die Feile. Zum Schluss haben wir alle Seiten geschliffen, um eine noch geschmeidigere Oberfläche zu erhalten.


Am Ende hatten wir noch die Möglichkeit, in unser Vesperbrett etwas einzubrennen. Hierbei zeichneten wir uns die Linien, die hervorgehoben werden sollten, mit dem Bleistift an, um sie dann mit dem Lötkolben nachzufahren.

Das Schöne am Leben eines Schreiners

Als Schreiner stellt man den ganzen lieben langen Tag schöne individuelle Möbel für unterschiedliche Kunden her. Es entstehen die Kreationen aus verschiedensten Materialien, Oberflächengestaltungen und vor allem individuellen Ideen. So ist quasi jedes einzelne Möbel ein kleines Kunstwerk für sich.
Und ist dieses dann eines Tages fertig, geht es zur Montage. Dort kann man in der Regel das Herz des Kunden etwas höher schlagen lassen und die Augen funkeln sehen. Genau diese Freude ist so schön mit anzusehen, dass man diese auch privat verteilen möchte. Denn unser Erlerntes können wir auch privat nutzen und schöne Möbel für Familie und Freunde herstellen.
Und genau das habe ich mir dieses Jahr zu Weihnachten vorgenommen 😉

Und nach vielen langen Abenden und sehr frühen Morgenden ist es vollbracht 🙂

Ein Schminktisch aus wildem Eichenfurnier ist entstanden!

Der obere Deckel besteht sogar aus einer Intarsienarbeit. Hier habe ich Roseneiche und Makassar zusammengefügt.

Die Tischplatte besteht aus einem UV verklebten Glaswinkel, den ich von unten in blau hinterlackiert habe.

Die Schubkästen sind aus Eiche massiv gefertigt worden.

Die Maserung des Korpus und des Makassar Sockels laufen selbstverständlich durch .

 

Nützliche Resterverwertung

Immer wieder fallen Reststücke ab, für die man schwer eine Verwendung findet.
So waren es diesmal ein paar Randstücken Esche. Zu schade um sie wegzuschmeißen, aber zu schmal um sie aufzuheben.
Was man jedoch immer gebrauchen kann, sind neue Hefte für Stemmeisen, Zwingen, Feilen, etc. Und genau dafür reichten die Rester.
Also sägte ich sie grob zurecht und hobelte sie zu einer quadratischen Leiste aus.
Danach ging ich an die Tischfräse und fräste die Leisten zu regelmäßigen Achtecken.
Der nächste Schritt geschah an der Kreissäge, wo die Hefte abgelängt wurden.
Jetzt musste nur noch ein Loch hinein gebohrt und das Ganze noch ein wenig in Form geschliffen werden.

Links die fertig geschliffenen Hefte und rechts die abgelängten Rohlinge.

Ein Schrank zum Stecken

Heute zeige ich euch mal etwas ganz Neues und Spannendes aus unserem Betrieb. In Kooperation mit der Firma Formbar fertigen wir zur Zeit Möbel zum Stecken. Der Kunde entwirft im Internet seinen eigenen Schrank in einem speziellen Stecksystem. Dann schreiben wir die CNC Dateien und fangen mit der Fertigung an. Und so sieht das Ganze dann aus …

Fräsen, Schleifen und Beschriften in einem Arbeitsgang.

Beispiel einer Schrankseite.

Nach dem Zusammenstecken sieht das ganze so aus 🙂

Alles ohne Verbinder, etc. Dieser Schrank hält nur durch seine Überblattungen, die zusammen gesteckt werden.

Furnieren eines antiken Tisches

Wir wurden vor Kurzem von einer Kundin damit beauftragt, einen antiken Tisch zu „restaurieren“. Es war in sofern nur „halbes“ Restaurieren, als dass sie uns damit beauftragt hat, lediglich die Tischplatte neu zu furnieren. Dieser Tisch ist ca. 100 Jahre alt und von der Mechanik und Praktikabilität her wirklich klasse, wenn man bedenkt, dass man den Beschlag nicht mal eben aus dem Katalog heraussuchen kann! Damals hat der Tischler selbst noch größere Metallarbeiten gemacht. Dieser Tisch beispielsweise ließ sich auf beiden Seiten noch zweimal erweitern.

Die kleinen Beine kommen automatisch herausgeklappt!

Der Raum, in dem der Tisch stand, war gar nicht groß genug, um alle vier Erweiterungen zu zeigen!

Wir hatten also den Auftrag, die Platte wieder herzurichten. Dabei haben wir uns für ein Furnier entschieden, das von Werk aus auf einer Papierlage geklebt worden ist, um es flexibler und nicht so brüchig werden zu lassen. Dadurch konnten wir die Form auf der Rückseite aufzeichnen und einfach mit einer Schere ausschneiden.

Die Rückseite des Furniers.

Die Oberfläche wie wir sie erhalten haben. Die Tischplatte selber war viel stärker beschädigt, leider habe ich es versäumt, davon ein Foto zu machen,

Die einzelnen Ansteckplatten sowie die Tischplatte haben wir auf dem  Bandschleifer vom Lack befreit und sie so gut es ging plan geschliffen.

Nach dem Abschleifen des alten Lacks.

Danach haben wir die einzelnen Platten furniert, geschliffen, gebeizt und klar ablackiert. Unsere Kundin war hin und weg und auch wir waren alle vom alten Tisch mit den Verlängerungen begeistert 🙂

Der Klüpfel

In unserem Hauptfach Berufspraxiskunde lernen wir gerade die Herstellung von verschiedenen Werkzeugen.

Ich möchte Euch von der Produktion des Klüpfels berichten.
Der Klüpfel ist japanisch angelehnt und gestaltet sich als wuchtiger Holzhammer. Dieser wurde von uns hergestellt, indem wir zu Beginn die Stäbe des Griffs aus Eschenholz geformt haben. Hierzu haben wir den Griff in ca. vier Teile eingeteilt. Das dritte Viertel sollte dabei schmaler gehobelt werden als der Rest des Griffs. Mittels Raspel, Feile und Schleifpapier wurde er dann gerundet und glatt geschliffen. Am unteren Ende haben wir noch ein Loch gebohrt, um ihn nach der Fertigstellung aufhängen zu können.

Im Anschluss haben wir mit der Herstellung des Hammerkopfes begonnen. Dazu haben wir stabiles Akazienholz gewählt. Das hobelten wir von allen Seiten und formten die obere Seite rund. Nun fügten wir an alle Kanten Fasen von 5 Millimetern an.

Um die beiden Teile zusammen zu fügen, bohrten wir in der Mitte des Hammerkopfes ein Loch, das wir im Anschluss mit dem Stämmeisen quadratisch ausstemmten. Das Loch auf der Unterseite ist allerdings kleiner, als das auf der Oberseite. Dieser Hohlraum sollte nun bestenfalls die selbe Größe besitzen wie das schmale Viertel des Griffs.
Somit wurde nun der Griff durch das Loch geführt, bis er fest saß.
Um eine optimale Haptik und Oberfläche zu schaffen, wässerten wir die Griffe und schliffen sie nach dem Trocknen erneut.
Zum Schluss stempelte jeder seine Initialen in das Hirnholz, um sie im Nachhinein auseinander halten zu können.

Einige werfen es weg, wir machen es neu

Wahnsinn, was alles möglich ist! Wir haben einer Kundin einen tolles verfrühtes Weihnachtsgeschenk machen dürfen.

Ihr überlegt jetzt, was ist daran so besonders? Könnt ihr euch vorstellen, dass diese Sitzbank bzw. das Sideboard aus alten Eichenbalken gemacht worden sind?

Die Nägel sind alle noch sichtbar und die Risse oder Äste haben wir mit schwarzem Kunstharz ausgeharzt damit die Balken bzw. Bretter ihren Charakter behalten. Wie ihr selbst seht, sind es zwei ganz besondere Hingucker, die man nicht einfach so kaufen kann. Das ist mal etwas ganz Anderes! Hier konnten wir aus etwas Altem, was viele wegwerfen, etwas komplett Anderes und Neues machen. 🙂

 

Nicht nur Praxis

Wie in jeder anderen Berufsausbildung auch, geht es auch in der Schreinerlehre nicht ohne Theorie. In der einjährigen Berufsfachschule für Holztechnik haben wir jede Woche 6 Schulstunden Berufsfachkunde. In diesem Fach schreiben wir regelmäßig Tests und nächste Woche unsere 2. Klausur in diesem  Schulhalbjahr. Die Themen beziehen sich dieses Mal auf das Benennen von Werkstoffplatten und deren Abkürzungen. Außerdem wird das Thema Furnier vertieft. Dabei müssen wir uns sowohl mit der Herstellung als auch mit den Besonderheiten der verschiedenen Furnierarten auseinandersetzen.
Des Weiteren wird es unsere Aufgabe sein, eine dimetrische Zeichnung, also eine dreidimensionale Zeichnung, die in einem bestimmten Winkel zum Betrachter steht, in eine Dreitafelprojektion umzuwandeln und umgekehrt. Die Dreitafelprojektion ist eine Zeichnung, bei der ein Möbelstück von der Vorderansicht, der linken Seitenansicht, sowie der Draufsicht gezeichnet wird.
Für die Klausuren haben wir in der Regel 90 Minuten Zeit, um die gegebenen Aufgaben zu lösen.

Somit verbringt man dann seine Freizeit zwischen Büchern und Zeichnungen 😀