Spuren aus der Vergangenheit

Seit der Gründung unserer Firma 1898 haben zahlreiche Personen in den Deutschen Werkstätten Hellerau mitgewirkt und zur Firmengeschichte beigetragen – so auch Heinrich Tessenow, mit dessen Werken wir uns jetzt wieder auseinandersetzten.

Heinrich Tessenow (* 7. April 1876 in Rostock; † 1. November 1950 in Berlin) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer. Tessenow zählt zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Reformarchitektur. Neben den architektonischen Werken entstanden aber auch zahlreiche Möbelentwürfe, die hier in den Deutschen Werkstätten umgesetzt wurden.

Wir wurden von einem Schweizer Architekturstudenten angefragt, ob es möglich wäre, einige Möbel nachzubauen. Er hatte vor, diese für eine Ausstellung in einem originalen „Tessenow-Haus“ in Pößneck zu nutzen, mit der Absicht, der dortigen Bevölkerung den kulturellen Wert der vor Ort entstandenen Siedlung nahezubringen.

Um uns ein wenig auf das Ganze einzustimmen, wurden wir am 16.10.2018 nach Pößnek eingeladen und bekamen eine Führung durch die von Tessenow entworfenen zwei Siedlungen. Im Anschluss besuchten wir auch noch das zukünftige Museumsgebäude, in dem die Restaurierungsarbeiten bereits in vollem Gang waren. Besonders interessant für mich waren hier die freigelegten, sehr farbenfrohen alten Wandgestaltungen.

Unsere Aufgabe bestand nun darin, nach den neu aufgearbeiteten Originalzeichnungen ein paar Möbel für dieses Gebäude zu bauen. Konkret ging es dabei um einen Tisch, zwei Stühle, ein großes Sofa und eine profilierte Leiste, die in Kombination mit Stoff als  Wandschirm dienen sollen.

Sämtliche Möbel fertigten wir aus massivem Eschenholz, das später geölt wurde.
Da es viele gewölbte und geschweifte Teile an den Möbeln gab, war es eine sehr interessante und neue Arbeit. So wurden zum Beispiel die Rückenlehnen der Stühle aus vielen dünnen Holzschichten zusammengesetzt und gebogen und die Füße aus einem Stück mit der Bandsäge gesägt und von Hand ausgearbeitet.
Da das gewohnte Verleimen mit geschwungenen Elementen schwieriger ist, bleibt es nicht aus, auch mal ein paar Hilfen zu bauen, damit alles klappt.
Jetzt, da die Stühle fertig sind, werden sie einem Polsterer übergeben, der sich auch um das Sofa kümmert.

Im Ganzen war es ein sehr schönes, interessantes Projekt – so etwas kann es gern öfter geben.

Detail der Stuhlkonstruktion

Anbringen der Nutklötzchen an der Tischplatte

Ölen des Tisches